Windows NT - Einführung und Konzepte

Anhang: Installation mehrerer Betriebssysteme

Überblick

Letzte Änderung: 15.6.98 von B. Tritsch

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Allgemeine Anmerkungen

Mancher möchte sich nicht für ein bestimmtes Betriebssystem auf PC-Plattformen entscheiden, sondern plant verschiedene zu benutzen. Hier sind einige Hinweise, wie dies in einer Reihe von Kombinationen zu realisieren ist.

Die Datei "boot.ini" bei Windows NT

Die nach einer NT-Installation normalerweise auf einer primären DOS-Partition (C:\) abgelegte boot.ini-Datei dient dem NT-Loader als Arbeitsgrundlage. Er entnimmt dieser Datei, welche anderen Betriebssysteme er starten kann, wo die eigentliche NT-Installation liegt und zudem einige Startparameter.

Jede boot.ini-Datei enthält zwei Abschnitte. [boot loader] führt die Zeit als "timeout=" auf, die der Loader wartet, bis er das über "default=" ausgewählte Betriebssystem startet. Die Zeit läßt sich zwischen "-1" für sofort, "0" für keinen automatischen Start bis hin zu einer Zeit von einer bis 999 Sekunden wählen. Der Abschnitt [operating systems] führt bis zu zehn Betriebssysteme auf, die der NT-Loader zur Auswahl anbietet.

Die etwas kryptisch anmutenden Verweise auf die Installationspartition gehen auf ein plattformunabhängiges Namensschema zurück, das mit den NT-RISC-Plattformen zusammenhängt (ARC-1-Spezifikation). Je nachdem ob NT schon beim Booten einen speziellen Treiber für den Hostadapter benutzt oder sich der PC-BIOS-Funktionen bedient, fallen die Ortsangaben unterschiedlich aus:

scsi(w)disk(x)rdisk(y)partition(z)\WINNT=...

oder

multi(w)disk(x)rdisk(y)partition(z)\WINNT=...

Benutzt NT die erste Variante (scsi), so muß die zum jeweiligen Hostadapter passende Treiberdatei neben boot.ini, ntloader, etc. als ntbootdd.sys ebenfalls auf der primären Partition liegen. Das System betreibt den Hostadapter während des Bootens dazu in einer Art Polling-Modus. Bei einem Wechsel des Hostadapters ist unbedingt darauf zu achten, daß die ntbootdd.sys-Datei den jeweiligen aktualisierten Treiber enthält. Nach der Installation von NT ist dies, sofern nicht das BIOS (multi) zum Einsatz kommt, natürlich der Fall.

Nach dem Ändern der Plattenpartitionierung etwa durch Hinzufügen eines OS/2-Bootmanagers oder Aufteilens eines erweiterten Laufwerks in zwei einzelne kann sich eine NT-Installation "verschieben". Eine Anpassung des boot.ini-Eintrags muß dann von Hand erfolgen.

Werden die ARC-Namen von rechts nach links gelesen, enthalten die Ortsangaben zunächst den Namen des Verzeichnisses, auf dem NT liegt. Darauf folgt die Nummer der Partition auf dem jeweiligen Laufwerk. Die Partitionen werden von eins an gezählt. Primäre Partitionen werden zuerst durchnumeriert, dann logische Laufwerke in einer erweiterten Partition. Die erweiterte Partition selbst zählt dabei nicht.

Links der Partitionsnummer folgt die SCSI-Logical-Unit-Nummer (rdisk(y)), die meist Null ist. Bei einer über das BIOS bootbaren NT-Installation (multi) verweist der Wert hingegen auf das Laufwerk (0 bis 3). disk(x) enthält bei einem SCSI-Gerät die SCSI-ID, bei BIOS-gesteuerten Geräten (auch SCSI) ist dieser Wert stets Null. Alle Angaben werden im Gegensatz zur Partitionsnummer (Basis: Eins) von Null an gezählt. Die ganz rechte Zahl gibt beim Einsatz mehrerer SCSI-Adapter den Adapter an. Eine Speziallösung stellen SCSI-Adapter mit mehreren Kanälen dar: Jeder von Null ausgehend durchnumerierte Kanal wird mit 32 multipliziert und erst dann die SCSI-ID addiert.

Die alternative scsi- und multi-Notation eröffnet viele Möglichkeiten. Sie hilft zum Beispiel beim Booten von verschiedenen SCSI-Hostadaptern (einer wird mittels ntbootdd.sys angesprochen, der andere über das BIOS). Dabei bleibt der NT-Loader nicht auf NT und die zuvor installierte DOS-Version beschränkt: Über eine erweiterte boot.ini-Datei lassen sich DOS und Windows 95 ins Menü integrieren. Voraussetzung dafür ist allerdings, daß der alte DOS-Bootsektor-Code in Dateiform vorliegt, also vor der Installation von Windows 95 gesichert wurde.

Zusätzlich zur Ortsangabe einer NT-Installation können auf die Beschreibung spezielle Optionen folgen. Die im weiter unten in einem boot.ini-Beispiel-File aufgeführten Optionen /win95dos und /win95 gelten nicht für NT-Installationen, sondern für ein über den NT-Loader gestartetes DOS oder Windows 95.

/BASEVIDEO Zwingt NT, statt mit dem installierten Display-Treiber mit der Standard-VGA-Auflösung zu arbeiten. Ein solcher Menüeintrag existiert nach der Installation automatisch
/CRASHDEBUG Nur im Falle eines "fatalen Fehlers" aktiviert NT einen (externen) Kernel-Debugger
/DEBUG Ein externer (Kernel-) Debugger ist generell "aktiv". NT läßt sich von dort aus unterbrechen.
/MAXMEM: Weist NT an, nur die angegebene Menge Hautspeicher zu benutzen
/NODEBUG Schaltet die Unterstützung für einen externen (Kernel-) Debugger generell ab
/NoSerialMice[:COMx[,y]] Schaltet die automatische Mauserkennung auf allen oder den jeweils angebenen seriellen Ports ab
/SOS Zeigt beim Systemstart nicht nur Punkte als Fortschrittsindikatoren an, sondern die Namen der Treiber, die NT gerade lädt.
/WIN95[DOS] Nur sinnvoll bei einer DOS-, Windows 95- und NT-Parallelinstallation. Dies ermöglicht die Auswahl des zu ladenden Betriebssystem aus dem NT-Loader heraus. Der Loader übernimmt dann das Umbenennen der DOS-Dateien (io.sys, msdos.sys, command.com, config.sys und autoexec.bat), was ansonsten Windows 95 übernimmt, wenn beim Start F4 oder F8 gedrückt wird

boot.ini-Beispiel

[boot loader]
timeout=5
default=multi(0)disk(0)rdisk(1)partition(1)\NT40
[operating system]
default=multi(0)disk(0)rdisk(1)partition(1)\NT40="NT Server" /sos
default=multi(0)disk(0)rdisk(1)partition(1)\NT40="NT Server [VGA mode]" /sos /basevideo
scsi(0)disk(4)rdisk(0)partition(2)\NT40WS\"NT Workstation"
scsi(0)disk(4)rdisk(0)partition(2)\NT40WS\"NT Workstation [VGA mode]" /sos /basevideo
C:\BOOTSECT.DOS="MS-DOS 5.0" /win95dos
C:\BOOTSECT.W40="Windows 95" /win95

Windows NT mit Windows NT

Mehrere Installationen von Windows NT auf einem Rechner einzurichten gestaltet sich als nicht sehr problematisch. Es muß jedoch darauf geachtet werden, daß die Security-Informationen von einer Installation zur anderen unterschiedliche Auswirkungen haben können. Jedoch können mit Hilfe der einen NT-Installation sämtliche Systemdateien der anderen Installation kopiert oder gesichert werden. Daher bietet sich ein Doppelinstallation für Testrechner oder besonders gefährdete Systeme an.

Problematisch sind verschiedene Versionsnummern von NT. So ist der Boot-Manager eines nachträglich installierten NT 3.51 für ein bestehende NT 4.0 nicht kompatibel.

Windows NT mit Windows 95 (und DOS)

Die Integration von Windows 95 mit Windows NT klappt, sofern die NT-Version 3.51 im Einsatz ist. Damit das ohne größere Handarbeit gelingt, heißt es vor dem Setup von Windows 95, den von NT gesicherten alten DOS-Boot-Sektor (Datei bootsect.dos) zu kopieren (etwa in bootsect.alt). Dafür ist die Datei zunächst via ATTRIB-Befehl sichtbar zu machen. Nach erfolgreicher Installation von Windows 95 enthält diese Datei den benötigten BOOT-Code. Ersetzt man nun in der Datei boot.ini (ebenfalls mit ATTRIB sichtbar machen) die Zeile 'C:\ = "MS-DOS"' durch 'C:\BOOTSECT.ALT = "MS-DOS X.X" /win95dos' und ergänzt die Zeile 'C:\BOOTSECT.DOS = "Windows 95" /win95', so läßt das NT-Bootmenü wahlwiese den Start von Windows NT, DOS oder Windows 95 zu.

Möglich wird dieses Vorgehen dadurch, daß das Setup von Windows 95 im Falle eines Updates die alten DOS-Startdateien umbenennt, indem es die Namenserweiterungen durch DOS ersetzt. Der NT-Loader der Version 3.51 nutzt diesen Sachverhalt und benennt die Dateien vor dem Start des jeweiligen Systems um. Windows 95 selbst verwendet diese Technik ebenfalls, um wahlweise DOS oder Windows 95 zu booten. Einige Optionen der unter Windows 95 in Art einer INI-Datei ausgeführten msdos.sys-Datei helfen, die verschiedenen Boot-Optionen zu kontrollieren, die das neue System von sich aus beherrscht. Der Abschnitt <options> enthält hierfür einige nützliche Einträge.

Windows NT mit Linux

Der Linux Bootmanager LILO sollte vor der Installation von Windows NT schon vorhanden sein. Nach der Installation von Windows NT erlaubt LILO die Auswahl zwischen Linux und DOS. Wird Linux gewählt, geschieht alles wie gehabt. Wird DOS gewählt, startet der NT-Bootmanager und läßt wiederum die Auswahl zwischen Windows NT und DOS zu.

Windows NT mit OS/2

Leider sind hierüber bisher nur negative Berichte zu hören gewesen. Die Installationsroutine von Windows NT geht so unpfleglich mit dem OS/2-Boot-Manager um, daß eine friedliche Koexistenz nicht einfach zu realisieren ist.

Windows 95 mit Linux

Um sicherzustellen, daß Windows 95 während des Setups neu booten kann, aktiviert es immer diejenige Partition, auf der es installiert wird. Es hängt daher standardmäßig den Linux Bootmanager LILO ab. LILO kann sogar, sofern sie im Master-Boot-Record, also in der Partitionstabelle des ersten Laufwerks installiert ist, unabwendbaren Schaden nehmen! Linux-Benutzer sollten also vor jedem Setup auf jeden Fall eine bootfähige Diskette in der Hinterhand haben. Mit Vorsicht zu genießen sind Gerüchten zufolge auch Zugriffe mit Linux auf DOS-Dateisysteme.

Windows 95 mit OS/2

Um sicherzustellen, daß Windows 95 während des Setups neu booten kann, aktiviert es immer diejenige Partition, auf der es installiert wird. Es hängt daher standardmäßig den OS/2 Bootmanager ab.

Mit OS/2 läßt sich Windows 95 dennoch mittels dort mitgeliefertem Boot-Manager vereinen: Dazu richtet man via OS/2 FDISK eine primäre Partition ein, die vor der Installation von Windows 95 mit einem Mini-DOS zu versorgen ist. Nach einem Reboot von dieser Partition deaktiviert das Windows-95-Setup zwar die Partition, auf der der OS/2-Bootmanager residiert, doch die läßt sich mittels DOS-artigem FDISK unter Windows 95 später wieder aktivieren.