Windows NT Terminal Server Edition
Kapitel 4: Windows NT - Zugriffsrechte auf Dateien und Verzeichnisse
Letzte Änderung: 18.10.98 von B. Tritsch
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Die Bereitstellung von Datei-Services und Plattenressourcen ist eine der
Hauptaufgaben von Netzwerkservern. Damit die Festplattenkapazität eines Servers für die
Anwender nutzbar wird, muß Sie vom Administrator freigegeben werden.
Auch auf einem lokalen NT-Computer ist der Zugriff auf Dateien und
Verzeichnisse über die Vergabe von Rechten geregelt.
Grundkonzepte der Zugriffsrechte:
- C2-Sicherheitsstandard.
- Benutzerbezogen.
- Vier-Augen-Prinzip.
- Berechtigungen definiert und geändert durch Dateimanager.
- Unterschiedliche Berechtigungen für Verzeichnisse und Dateien.
Dateisysteme unter Windows NT
Windows NT ist in der Lage über sein Ein-/Ausgabesystem mehrere Dateisysteme
parallel zu verwalten. Hierbei werden die Treiber für die Dateisysteme wie andere
Gerätetreiber behandelt. Dies dient zum einen der Abwärtskompatibilität und zum anderen
der Integration verschiedener Funktionalitäten.
- FAT - File Allocation Table: DOS Dateisystem und Diskettenformat unter
Windows NT. Für Dateinamen wird die 8.3-Konvention verwendet, die 8 Buchstaben vor
dem Punkt und 3 Buchstaben nach dem Punkt erlaubt. Groß- und Kleinschreibung spielen
keine Rolle. Die maximale Dateigröße beträgt 4 GBytes. Die Wurzel eines
FAT-Verzeichnisses kann maximal 512 Einträge beinhalten.
- FAT32: Das erweiterte FAT-Dateisystem von Windows 95 mit Unterstützung
von langen Dateinamen und Unterscheidung von Groß- und Kleinschreibung. FAT32 wird nicht
von der Version 4, jedoch von der Version 5 von Windows NT unterstützt.
- NTFS - New Technology File System: Dies ist das speziell für
Windows NT entwickelte 64-Bit-Dateisystem mit starkem Fokus auf Sicherheit. Die
Dateinamen können bis zu 255 Zeichen in 16-Bit-Unicode enthalten, wobei Groß- und
Kleinschreibung beibehalten werden. Unicode erlaubt die Verwendung von erweiterten
Zeichensätzen, z.B. für chinesische, japanische, griechische oder arabische Zeichen. Die
theoretisch maximale Dateigröße beträgt 16 ExaBytes (= 17 Millionen GBytes!).
- CDFS CD File System: Dateisystem für CDs, das auch lange
Dateinamen erlaubt. Es können jedoch auch CDs verwendet werden, die Kompatibel zum
CD-Standard ISO9669 sind.
- HPFS - High Performance File System: Das OS/2-Dateisystem wurde bis
einschließlich der Windows NT Version 3.51 direkt unterstützt. Ab Windows NT
4.0 müssen die zugehörigen Treiberdateien zusätzlich installiert werden. Die maximal
Dateigröße beträgt 4 GBytes.
Lokale Zugriffsrechte
Das NT-Dateisystem NTFS ist den meisten anderen Dateisystemen im
Bezug auf seine Sicherheitskonzepte weit überlegen. Betrachtet man die Eigenschaften
einer Datei, so zeigen sich dort neben der Größe und dem Besitzer auch die Zugriffsberechtigungen.
Ähnliches gilt für Verzeichnisse, wobei die die Basisberechtigungen durch sechs
Attribute bestimmt werden:
- R Read (Lesen).
- W Write (Schreiben).
- D Delete (Löschen).
- X Execute (Ausführen).
- P Change Permission (Ändere Berechtigung).
- O Take Ownership (Übernehme Besitz).
Diese Attribute können in Gruppen zusammengfaßt werden, um eine
vereinfachte Verwendung zu erlauben.
- No Access (Kein Zugriff): Der Benutzer hat keinen Zugriff auf die
Ressource.
- List (Anzeigen): R Der Benutzer kann Verzeichnisse und
Dateinamen ansehen.
- Read (Lesen): RX Der Benutzer kann Dateien in Verzeichnissen
lesen und Programme ausführen.
- Add (Hinzufügen): WX Der Benutzer kann Dateien zu
Verzeichnissen hinzufügen, kann jedoch nicht den Inhalt des Verzeichnisses lesen oder
verändern.
- Add & Read (Lesen & Hinzufügen): RWX Der Benutzer hat
die Berechtigung zu lesen und hinzuzufügen.
- Change (Ändern): RWXD Der Benutzer hat das Recht, Dateien zu
lesen, hinzuzufügen, zu löschen und den Inhalt zu verändern.
- All (Vollzugriff): RWXDPO Der Benutzer hat sämtliche Rechte.
Diese Rechte können auf ein Verzeichnis angewandt werden. Für eine Datei
sind sie ein wenig eingeschränkt (Kein Zugriff, Lesen, Ändern und Vollzugriff).
Bei Verzeichnissen werden im Gegensatz zu Dateien zwei Berechtigungen
verwendet, z.B. (RX)(RX). Die erste Berechtigung betrifft den Zugriff auf das Verzeichnis
selbst. Die zweite Berechtigung wird für neu erzeugte Objekte verwendet, d.h. für neue
Verzeichnisse oder Dateien.
Die P- und die O-Attribute haben sehr spezielle Bedeutung für die
Sicherheit eines Systems:
- Nur ein Benutzer, der das P-Attribut zur Änderung der Berechtigung für einVerzeichnis
oder eine Datei besitzt, kann die Sicherheitseinstellungen aktiv modifizieren.
- Nur ein Benutzer, der das O-Attribut zur Änderung des Besitzes hat, kann ein
Verzeichnis oder eine Datei in Besitz nehmen.
- Der Besitzer eines Verzeichnisses oder einer Datei kann sich immer das P-Attribut
zuordnen und damit auch alle anderen Attribute ändern.
- Ein Administrator hat immer das Recht, Besitzer eines Verzeichnisses oder einer Datei zu
werden. Danach kann sich der Administrator das P-Attribut geben und dadurch auch alle
anderen Attribute aktiv verändern.
Administratoren oder Benutzer, die für ein Verzeichnis oder eine Datei
das O-Attribut besitzen, können dieses Objekt zwar in Besitz nehmen, sie können es aber
nicht aktiv zurückgeben.
Auf einem NTFS-Datenträger hat jede Datei und jedes Verzeichnis einen
eindeutigen Besitzer. Dieser kann selbständig jederzeit alle vergebenen Berechtigungen
für einzelne Benutzer oder Gruppen von Benutzern individuell anpassen.

Freigaben für den Netzwerkzugriff
Das Sharing (Exportieren, Teilen) von Verzeichnisstrukturen unter
Windows NT ist eine einfache Möglichkeit Festplatten-Ressourcen über das Netzwerk
bereitzustellen. Für die vollständige Funktionalität insbesondere auf Servern sollte
immer das Dateisystem NTFS gewählt werden, obwohl auch andere Dateisysteme wie FAT
hierfür genutzt werden können. Das Einrichten von Freigaben erfolgt in der Regel über
den Datei-Manager, den Explorer oder Shell-Kommandos. Die Shares beinhalten dann
folgende Eigenschaften:
- Die Vergabe von Shares ist auf sehr wenige verschiedene Zugriffsarten beschränkt (kein
Zugriff, Lesen, Ändern, Vollzugriff).
- Die Vergabe von Shares wirkt sich nur für die Nutzung über das Netzwerk aus und nicht
für lokale Benutzer.
- Die Freigabe kann explizit einzelnen Benutzern oder Benutzergruppen mit individuellen
Zugriffsarten zugeteilt werden.
- Administrative Standard-Freigaben auf jedem NT-System sind mit Hilfe des $-Zeichens
verborgen: ADMIN$ (NT Systemverzeichnis) C$ (die Wurzel des Laufwerks C), D$, E$, ...
- Das Freigeben eines Verzeichnisses impliziert automatisch die Freigabe aller
Unterverzeichnisse.
Für die Vergabe von Freigabenamen gelten im Grunde die selben Regeln wie für lange
Dateinamen unter Windows NT, jedoch mit einigen kleinen Ausnahmen. Es können die
Zahlen von 0 bis 9, die Buchstaben A bis Z und folgenden Sonderzeichen verwendet werde: $
% - _ @ ~ ! ( ) ^ # &
Sechs Zeichen, die für Dateinamen verwendet werden können, lassen sich jedoch nicht
bei Freigabenamen einsetzen: + , ; = [ ]. Leerzeichen sind wiederum erlaubt.
Obwohl Windows NT Freigabenamen mit maximal 80 Zeichen erzeugen kann, sollten die
Namen deutlich kürzer sein. Dies folgt nicht zuletzt aus der Tatsache, daß
Windows 95 nur Freigabenamen verarbeiten kann, die maximal 12 Zeichen lang sind. Für
DOS und Windows für Workgroups muß sogar die 8.3-Konvention eingehalten werden.
Die Vergabe von Shares kann über den Benutzer-Manager reglementiert werden und sich
möglicherweise nur auf Administratoren beschränken.

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