Windows NT Terminal Server Edition

Kapitel 11: Citrix ICA - Erweiterte WTS-Funktionalitäten

Letzte Änderung: 18.10.98 von B. Tritsch

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Die Idee des WTS ist, Windows-Programme auf einem Server zentral auszuführen. Von Terminal-Emulationen oder spezialisierten Clients kann dann auf diese Anwendungen zugegriffen werden. Als Clients werden gemeinsam mit WTS-Emulationsprogramme für Windows NT Workstation, Windows 95/98 und Windows für Workgroups ausgeliefert. Zudem können spezielle Windows-Terminals eingesetzt werden, wie sie beispielsweise von Herstellern wie NCD, Tektronix oder Wyse angeboten werden.

Das Microsoft-Protokoll RDP ist nicht immer die optimale Lösung, besonders wenn die Anwendungen stark graphikorientiert sind oder die Server als komplette Cluster konfiguriert werden sollen. Für die Kommunikation mit verschiedenen Clients entwickelte Citrix schon sehr früh das ICA-Protokoll (Independent Computing Architecture), das seine Stärken klar im Bereich schmalbandiger Netzwerke (z.B. über Modemverbindungen) hat. ICA ist jedoch nicht Gegenstand der Lizenzvereinbarungen mit Microsoft und bleibt daher zentraler Bestandteil der Citrix-Produktpalette. Die ICA-Client-Software kann auf DOS, 16-Bit-Windows, NetPCs, Terminals, Macintoshs, OS/2-Rechner, UNIX-Workstations und auf drahtlosen Stationen installiert werden. Besonders interessant ist die Möglichkeit einen ICA-Client als Java- oder ActiveX-Plug-in in einen WWW-Browser zu integrieren und darin die Windows-Applikationen ablaufen zu lassen. Damit sind ICA-Clients sehr viel flexibler einsetzbar als die entsprechende Microsoft-Lösung.

Installation der ICA-Unterstützung

Um die ICA-Unterstützung zu installieren, muß man sich zunächst als Administrator auf einer bestehenden Windows NT Terminal Server Edition anmelden. Danach kann das ICA-Setup durchgeführt werden.

 

An dieser Stelle soll noch einmal gesondert auf die Konfiguration der Laufwerkszuordnung eingegangen werden. Als Standardeinstellung werden während der Installation folgende Zuordnungen angeboten:

Laufwerksbuchstabe

Wird von der ICA-Session über folgenden Buchstaben angesprochen

Client-Laufwerke  

A

A

B

B

C

V

D

U

Server-Laufwerke  

C

C

D

D

E

E

 

Sollen die Buchstaben des ICA-Servers nicht mit den Buchstaben des ICA-Clients kollidieren, können sie auch zu höheren Buchstaben gesetzt werden. Eine andere Zuordnung kann daher folgendes Aussehen haben:

Laufwerksbuchstabe

Wird von der ICA-Session über folgenden Buchstaben angesprochen

Client-Laufwerke  

A

A

B

B

C

C

D

D

Server-Laufwerke  

C

M

D

N

E

O

 

Die zur Konfiguration gehörigen Dialogfenster werden in der untenstehenden Abbildung aufgezeigt.

 

Wurde bei der ICA-Installation das Hinzufügen von Modems ausgewählt, so werden folgende Zwischenschritte durchgeführt:

 

Die ICA-Server-Komponenten

Ein WTS ist durch das Citrix-Modul MetaFrame (Codename: pICAsso) aufrüstbar und unterstützt dadurch neben dem ICA-Protokoll zudem auch eine ganze Palette an Erweiterungen.

ICA-WinStations benutzen die Schnittstelle einer Applikation zwischen dem WTS und der Client-Plattform bzw. dem Desktop-Fenster. Die ICA-Clients erweitern die Funktionalitäten im Vergleich zu RDP-Clients um:

Die WinStations können mit dem WTS über folgende Mechanismen verbunden sein:

Um einen Client über Modem oder langsame LANs an einen WTS anzubinden gibt es grundsätzlich zwei Methoden: RAS oder ICA. Remote Access Service (RAS) erlaubt den Zugriff auf netzbasierte Ressourcen über serielle Leitungen, z.B. über Modems an einer Telefonanlage. Ein WTS-Client über ICA stellt eine netzbasierte Session bereit, als wäre der entfernte Benutzer interaktiv angemeldet. Für den Benutzer ist dies, als ob er direkt an der Konsole arbeitet.

ICA-Pakete bestehen aus einem Kommando und optional darauffolgende Daten. Die Daten können zudem komprimiert oder auch verschlüsselt (DES, RSA) werden. Das ICA-Protokoll ist durch die direkte Unterstützung von GDI-Aufrufen hoch optimiert für seinen Einsatz auf relativ langsamen Netzwerkverbindungen.

Zur Konfiguration der ICA-Funktionalitäten auf einem WTS stehen eine Reihe von speziellen Administrationswerkzeuge zur Verfügung. Diese werden über die Startleiste und eine darin enthaltene MetaFrame-Gruppe aufgerufen.

ICA-Lizenzierung

Das Programm zur ICA-Lizenzierung ähnelt seinem Gegenpart für den Windows Terminal Server. Jedoch sind diese beiden Konfigurationsprogramme völlig unabhängig voneinander. Dies hat zur Konsequenz, daß die Lizensierungsmodelle der beiden Hersteller Microsoft und Citrix vollkommen unterschiedlich sein können.

Das ICA-Lizenzierungsprogramm erlaubt das Hinzufügen, das Entfernen, das Aktivieren und das Betrachten von Lizenzen über entsprechende Menüpunkte oder Icons.

 

Eine ICA-Lizenz wird erst dann gültig, wenn sie durch einen zugehörigen Code aktiviert wird. Dieser ist über verschiedene Methoden erhältlich, wobei die einfachste eine Internet-Verbindung zu Citrix ist. Weitere Möglichkeiten sind Modem, Fax oder Telefon. Eine automatisierte Art dem Aktivierungscode zu erhalten, wird über den Activation Wizard bereitgestellt.

ICA-Verbindungskonfiguration

Citrix ICA integriert sich nahtlos in den Microsoft Windows Terminal Server. Daher werden die zugehörigen Einstellungen in verschiedenen Standardwerkzeugen durchgeführt. Durch seine Natur als unternehmensweite Lösung kann die ICA-Konfiguration bezogen auf eine Verbindung, einen Benutzer oder einen Client erfolgen. Verbindungen beziehen sich auf alle Benutzer, die auf eine spezifische Art mit dem Server kommunizieren, z.B. über ein bestimmtes Protokoll. Benutzereinstellungen betreffen einen individuellen Benutzer oder eine Benutzergruppe, wobei die Verbindungsart keine Rolle spielt. Die Client-Konfiguration kann durch das spezielle Werkzeug "Remote Application Manager" eingestellt werden und betrifft zusätzliche Sicherheitsoptionen oder Kompressionsmethoden.

Die untenstehende Tabelle zeigt die Konfigurationsmöglichkeiten über verschiedene Werkzeuge an.

 

Pro Verbindung

Pro Benutzer

Pro Client

Werkzeug Terminal Server Connection Configuration Benutzer-Manager für Domänen Remote Client Manager
Einstellungen der Verbindungsart      
Logins verbieten

x

x

 
AutoLogon

x

 

x

Initiales Programm

x

x

x

Modem-Rückruf

x

x

 
Überschreiben des Benutzerprofils

x

   
Sicherheit (Verschlüsselung)

x

 

x

Beschränkung der Audiobandbreite

x

 

x

Einstellung der Sessions      
Zugriffsberechtigungen

x

   
Timeout-Einstellungen

x

x

 
Zuordnung der Client-Geräte

x

x

 

 

Nach der Installation und während des Betriebs erfolgt die Konfiguration des ICA-Protokolls adäquat zu RDP hauptsächlich mit der Terminal Server Verbindungskonfiguration (engl.: Terminal Server Connection Configuration).

 

Wird das ICA-Protokoll ausgewählt, so kann es wie schon weiter oben für das RDP-Protokoll beschrieben angepaßt werden. Weiterhin können durch Auswahl des Menüpunkts "Security" für einzelne Benutzer oder Gruppen bestimmt Zugriffsberechtigungen für die ausgewählten Verbindungsart bestimmt werden. Dies umfaßt die Abfrage von Informationen, das Eintragen neuer Informationen, den Reset von Benutzer-Sessions, die Shadowing-Option, Logon, Logoff, das Verschicken von Nachrichten, Verbindungsabbruch und die Wiederaufnahme einer Verbindung.

 

Werden die Client-Settings zur Konfiguration ausgewählt, so können in dem dazugehörigen Dialogfenster eine Reihe von Optionen eingestellt werden. Diese betreffen die lokalen Laufwerke, Drucker und seriellen Schnittstellen. Ebenso lassen sich hier Einstellungen bezüglich Cut-and-Paste, der lokalen Zwischenablage und den Systemklängen durchführen. Die Einstellmöglichkeiten sind speziell im Bezug auf Netzwerkbandbreite, COM-Port-Mapping, Integration der Zwischenablage, Caching und Audiounterstützung deutlich stärker als unter einem Standard-WTS.

Alle Client-Geräte werden unter dem Icon "Client Network" im Explorer abgelegt, wo sie wie jedes andere Netzwerkgerät angesprochen werden können.

 

Die Optionen der "Advanced Connection Settings" erlauben zusätzliche Einstellungen für die Sicherheit und die Leitungsfähigkeit von ICA-Verbindungen. Die erweiterten Verbindungseinstellungen bieten für RDP und ICA völlig identische Möglicheiten.

 

Die Timeout-Settings erlauben die Konfiguration von drei Zählern. Der erste bestimmt die maximale Zeit, die eine Benutzer-Session dauern darf. Der zweite betrifft die maximale Zeit, die eine unterbrochene Verbindung zum Client aufbewahrt wird. Dies ist insbesondere für Modem-Benutzern mit instabileren Verbindungen von größerer Bedeutung. Nach dem spezifizierten Intervall wird die Benutzer-Session endgültig beendet. Der letzte Zähler erlaubt die Einstellung einer Zeit, die ein Benutzer inaktiv sein darf, bevor er automatisch vom System abgemeldet wird.

Die Option "Inherit User Config" übernimmt die vom Benutzer bzw. vom Client übertragene Parameter zur Session-Konfiguration, z.B. bei entsprechend eingestelltem ICA-Client. Eine vom Administrator durchgeführte anders lautende Konfiguration überschreibt jedoch die Client-Wünsche auf dem Server und setzt dadurch die individuelle Benutzeranforderung in ein allgemein verbindliches Systemverhalten um.

ICA-Konfiguration mit WTS-Werkzeugen

Einige der ICA-Einstellungen werden über Standardwerkzeuge des Windows Terminal Servers konfiguriert. Dies gilt insbesondere für das Programm "Terminal Server Administration".

 

Die Installation der ICA-Unterstützung fügt folgende Funktionalitäten hinzu:

Die Session eines anderen Benutzers kann überwacht oder gespiegelt werden, indem die Shadowing-Funktionalität genutzt wird. Der entfernte Benutzer wird dabei in der Regel gefragt, ob er diese Übernahme der Kontrolle zulassen möchte. Weiterer Optionen für den Zugriff auf Maus und Tastatur werden hier ebenfalls eingestellt. Die Shadowing-Funktionalität läßt sich in der Regel durch die Tastenkombination "Strg" und "*" abbrechen.

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